Wim Wenders: Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten

Die 1989 aufgezeichnete Filmbiographie zu Yamamoto von Wim Wenders beginnt mit der großen Frage nach der Identität und nimmt beeindruckend die Entwicklungen des digitalen Zeitalters vorweg, was den Zusammenhang technischer Reproduktion und Verlust an Originalität und damit auch Identität bedeutet: „Jede Unterscheidung scheint reine Willkür.
Wer will sich also darüber verwundern, dass der Begriff von Identität so auf den Hund gekommen ist.“

Hier das Original von Wim Wenders, kopiert aus dem digitalen Space😉

Man wohnt irgendwo,
man macht irgendeine Arbeit,
man redet irgendwas daher,
man ernährt sich irgendwie,
man zieht sich irgendetwas an,
man sieht wahllos irgendwelche Bilder,
MAN LEBT IRGENDWIE,
MAN IST IRGENDWER.

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Seyla Benhabib: Die Rechte der Anderen – Ausländer, Migranten, Bürger

Es liegt nach Seyla Benhabib in der Verantwortung einer kosmopolitischen Gerechtigkeitstheorie neben die Fragen der Verteilungsgerechtigkeit die Fragen der Zugehörigkeitsgerechtigkeit zu stellen. Die Schwierigkeit bei der Zugehörigkeit liegt darin, dass moralische Gründe mit normativen Begründungen und politischen Gesetzen vermischt werden. So ist das Recht auf Einreise Asylsuchender sowohl ein moralisch als auch politisch gebotenes, genauso wie ein Recht auf Zugehörigkeit. Doch bei der Zugehörigkeit müssen gewisse Voraussetzungen auf institutioneller Ebene geschaffen werden, damit diskriminierungsfreie Zugehörigkeit umgesetzt werden kann.

mehr zum Thema unter: Studium Generale – Flucht und Entfremdung

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Flucht und Entfremdung – Philosophie

Fremdsein und Entfremdung

Auf wie viele Arten kann man fremd sein?

Fremd im eigenen Ich? Fremd im eigenen Land? Fremd in der Inanspruchnahme von übergeordneten Abkommen? Fremd gegenüber dem Menschsein?

Für uns als Europäer stellt sich dieser Tage die Frage des Menschseins als Menschlichseins von zweierlei Richtungen: werden wir uns selbst fremd, wenn wir unsere humanistischen Menschlichkeitsideale Tag für Tag verraten? Entfremden wir uns von der europäischen Idee der Menschlichkeit?

Und: Sind diejenigen die kommen fremd für uns, weil sie von einem anderen Kontinent kommen, oder weil sie durch ihre Erlebnisse, durch ihr Irgendwie- Überlebenmüssen unserer Idee des Menschseins ein Stück weit entfremdet sind?

Ist uns nicht der deutsche Menschenhändler, der Frauen und Kinder im Container eingeschraubt verrecken lässt fremder, als der syrische Kapitalist, der immer gleichmäßig seine Firma vorangebracht hat?

Es sind doch die Schicksale, die uns anderen gegenüber zu Fremden machen. Und sind nicht diese Schicksale viel stärker an die jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen und an die Strukturen von Macht und Ohnmacht gebunden, als an geografische Herkunft?

Nach wie vor empfehlenswert

Julia Kristeva: Fremde sind wir uns selbst, 11. Auflage 2013, 1. Auflage 1990, Suhrkamp, Frankfurt am Main.

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Wolfgang Bauer: Über das Meer – Mit Syrern auf der Flucht nach Europa. Eine Reportage.

Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015

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Angesichts eines erneuten Bootsunglücks im Mittelmeer mit hunderten von Todesopfern hat diese Reportage immer noch eine entsetzliche Aktualität und als BürgerIn Europas sieht man sich fassungslos in einem Handlungsvakuum gefangen angesichts der Tatsache, dass korrupte Schlepperbanden skrupellos Menschenleben ihren Geschäftsinteressen opfern und ein “Europa“ sich nicht einigen kann und nicht in der Lage ist, diesen Machenschaften das Handwerk zu legen durch menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen.

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Studium Generale: Heimat und Identität – Flucht und Entfremdung

Psychologische Betrachtungen zu Fremdheit und Identität

Beitrag von Claudia Kretschmann:

Fremdheit und Identität – Der Fremde in uns

Denn Fremdheit ist eine schöpferische Kraft, für die Gesellschaft, aber auch in der Literatur. Sie lebt von der Ambivalenz, von Reibung und Widersprüchlichkeit. (Fridolin Schley)

Beitrag lesen auf:

https://literaturimfenster.wordpress.com/studium-generale/heimat-und-identitaet-flucht-und-entfremdung/

Feridun Zaimoglu: „Siebentürmeviertel“

Kiepenheuer & Witsch, 2015

Siebentürmeviertel, in einem Stadtteil Istanbuls angesiedelt, beginnend im Jahr 1939, ist ein Roman über Heimat und Fremde, über eine Selbstdefinition vor dem Hintergrund zweier Kulturkreise. Ein kleiner deutscher Junge, Wolf, mit seinem Vater vor dem Hitlerregime in die Türkei geflohen, nimmt uns mit auf eine Reise in ein archaisches türkisches Milieu, in dem die Menschen sich zurechtfinden müssen zwischen Mythen, Aberglauben, sozialen Gruppenzugehörigkeiten und den damit verbundenen Rivalitäten. Der heranwachsende Wolf übernimmt die Ordnungssysteme, in denen er aufwächst. Von seinem deutschen Vater verlassen, wird die türkische Familie, die sich seiner annimmt und in der er die wichtigen Entwicklungsphasen seiner Pubertät erlebt, zu seiner echten Familie.

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Maria Braig: Spanische Dörfer – Wege zur Freiheit

Verlag 3.0, Bedburg, 2016

Eine Utopie, in der die Suche nach Freiheit und Akzeptanz durch den Mut junger Menschen einen Weg findet zu einem selbstgestalteten Leben.

Schon Jenny Erpenbecks Roman „Gehen, ging, gegangen“, im letzten Jahr auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis, wurde von den Rezensenten zum Teil als naive Utopie belächelt. Hannah Lühmann schrieb in der „Welt“ am 31.08.15:

„Vieles ist falsch an diesem Buch, unter den jungen Männern, den Flüchtlingen: kein einziger Antisemit, kein einziger Gewalttäter, keiner, der übergriffig wird, vielleicht einer, der stiehlt. Sie sind alle nett und verloren, traurig und traumatisiert, manchmal ein bisschen aggressiv und übermütig. Sie sind Platzhalter in einem Lehrstück über die Welt, wie sie sein könnte.“

Warum eigentlich nicht?

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Heimat und Identität im Studium Generale

Psychologische Betrachtungen zu Heimat und Identität
von Claudia Kretschmann

Inhaltsverzeichnis:

  • Einleitung
  • Sehnsuchtslandschaft der Gefühle
  • Anliegen der Psychologie
  • Heimat als Kindheitserfahrung
  • Heimat als selbstbestimmter sozialer Raum
  • Beheimatung als alltägliche Aufgabe
  • Auch ein Chatroom kann Heimat sein
  • Heimat ist der Versuch, die Kindheit verwandelnd einzuholen
  • Die dunkle Seite des Heimatgefühls
  • Heimat ein zwiespältiger Begriff
  • Der Geschmack des Heimwehs
  • Heimat als Utopie

siehe „Studium Generale“ Heimat und Identität – Flucht und Entfremdung

Nein, wir sind nicht über Nacht feministisch geworden.

Köln ist der Nährboden für eine bestimmte Art von Femonationalismus.

„Überall in Europa erleben wir, dass fremdenfeindliche, nationalistische Parteien, aber auch neoliberale Regierungen in zunehmendem Maße Vorstellungen von Gleichberechtigung benutzen, um darzustellen, dass männliche muslimische Bürger – und nicht-westliche männliche Migranten ganz allgemein – nicht imstande seien, die Rechte von Frauen* zu respektieren. Generell ist diese Art Mobilisierung von Gender und einer Vorstellung von Frauen*emanzipation durch nationalistische und fremdenfeindliche Parteien sowie durch konservative Regierungen einer der wichtigsten Aspekte zur Kennzeichnung der gegenwärtigen politischen Lage.“

aus:

Sind wir über Nacht zu einer feministischen Nation geworden?