Günter Herburger: Wildnis singend

Zum Tag der Indie-Verlage aus dem kleinen Berliner Verlag HANANI.

„Wildnis singend“ ist ein Buch voller Kollisionen. Bolivianischer Schamanismus in der Allgäulandschaft, virtuose Idee, passt irgendwie und gibt der Geschichte zuerst einmal einen märchenhaften Anstrich. Ricarda, im Allgäu geboren, als Kind mit der Familie nach Südamerika ausgewandert, plumpst nach 50 Jahren in die paradiesisch gestaltete – heißt hier eher in einen ursprünglichen Zustand zurückgebaute – Allgäulandschaft. Das Aussteigerpaar der „Athlet“ und die „Madonna“ leben nach dem Motto „Je weniger wir tun, desto besser.“ Im ersten Teil beeindruckt die Geschichte durch eine unbeschreiblich kunstvolle poetische Sprache. Doch auch hier offenbart sich bald eine große Kollision: die Poesie des ersten Teils vermag die brutale Realität nicht zu gestalten. Sie prallt auf eine Realität, der auch in der Sprache nur mit Wortgewalt beizukommen ist. Aus artistischen Höhen führt die Geschichte in die unterirdischen Tiefen der psychischen Beschädigungen.

„Hätte sie eine Buchstabenbrille für Erinnerungen an Zeiten und Entfernungen aufgehabt, wäre es ihr möglich gewesen, zu sehen, wie der Kämpfer zu der roten Lippenfrau durch das Gegängel zwischen mannshohen Spargeln und Eibenfuchsien in einem Schwung von oben herunter galoppiert wäre, ohne Knieschoner.“ (S.16/17)

Es ist kein mystischer Realismus, wie er einigen südamerikanischen Erfolgsautoren zugeschrieben wurde, sondern realistische Entmystifizierung. Die Bilder dazu muss man aushalten können.

In der Zeit wurde der Roman am 16.04.16 hochgelobt:
„Ein Ehrenplatz im Pantheon der neuen deutschen Seltsamkeit ist Günter Herburger gewiss: Mit „Wildnis, singend“ hat er jetzt einen Heimatroman geschrieben, der sich an keine Grenzen hält.“
Von

Auch diese Geschichte Günter Herburgers entbehrt nicht eines bissigen Lokalkolorits, das ich an dieser Stelle unkommentiert lassen möchte.

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