Jedem sein Universum

Das neue Semester des Studium Generale startet am 22.09. in Philosophie mit dem Thema:

Jedem sein Universum –
Wege der Philosophiegeschichte zur Frage nach dem Sinn

  1. Auf der Suche nach der richtigen Frage

Warum stellen sich Menschen überhaupt die Frage nach dem Sinn?

Es gibt vielerlei Gründe, sich die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen. Meistens sind es Lebenskrisen oder schwierige Entwicklungsphasen, in denen das Leben im Gesamten auf eine Art Prüfstand gestellt wird.
Im Fall der Entstehung dieses Skripts verhält es sich anders: für mich persönlich war es vielmehr noch einmal die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Philosophie, die mich dazu verleitete, die größte aller Fragen mit Hilfe einiger wichtiger Philosophen der Philosophiegeschichte anzugehen. Die Auswahl richtet sich hierbei ganz nach meiner subjektiven Einschätzung – wobei ich mir bewusst auch Philosophen ausgewählt habe, mit denen ich mich bisher noch nicht intensiver befasst hatte.

Es war also eine jener schlaflosen Nächte, in denen ich, schwere Fragen hin und her drehend, ein für mich bedeutsames Gedankenbild entwickelt hatte:

Das Leben ist eine Geschenkbox.
Nur hineinschauen darf man nicht.


Es ist alles drin, jede Facette, alle Möglichkeiten. Manche sind kleiner, manche sind größer.
Jeder Moment liegt wie ein Kristall in der Schachtel. Je nachdem, von welcher Seite man ihn betrachtet, leuchtet er in unterschiedlichen Farben. Wir wissen, dass es auf die Betrachtungsweise ankommt, aber wir dürfen die Schachtel nicht öffnen. Nur solange sie geschlossen ist, ist alles möglich. Schrödingers Katze ist gleichzeitig tot und lebendig. Wenn wir den Deckel aufmachen, ist alles entschieden.

Nur im letzten Moment unseres Lebens lüpfen wir das Geheimnis und sehen die ganze Pracht unseres Lebens vor uns liegen, schimmernd wie ein Kaleidoskop, sich drehend und verändernd bis zum letzten Moment.
Der Anblick und das Wissen wäre vor dem Ende nicht zu ertragen. Das Leben wäre nicht mehr lebbar mit dieser Festlegung.

Die Büchse der Pandora.
Die Schachtel muss geschlossen bleiben.

https://literaturimfenster.wordpress.com/studium-generale/jedem-sein-universum/

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5 Gedanken zu „Jedem sein Universum

  1. Schöne Überlegungen.

    Die Frage nach dem Sinn finde ich übrigens durchaus geeignet als Einstiegspunkt ins Philosophie-Studium. Da werden doch unweigerlich Kants „Vier Fragen“ auftauchen und Sartres Idee von Absurdität, und der Aufgabe an uns selbst, dem Leben eine Bedeutung bzw. einen Sinn zu verleihen.

    Ich arbeite noch daran, das Leben als Geschenkbox zu verstehen. Wenn es eine Geschenkbox ist, dann muss sie doch irgendetwas oder irgendjemand sie bereit gelegt haben und etwas in ihr verstaut haben. Wenn ich dich recht verstehe ist der Inhalt jedoch wandelbar, in etwa wie zig Paralleluniversen (in dem einen lebt die Katze noch, in dem anderen nicht).
    Erinnert mich sehr an Forrest Gump’s „Life is like a box of chocolates.“ You never know what you’re gonna get next.

  2. Die kleine, unscheinbare Schachtel ist eine schöne Metapher.
    Als Modellvorstellung betrachtet, ist deren Existenz bereits geklärt, denn wir haben die Box erdacht. Die Box ist ein Raum, der ein „etwas“ umgrenzt und kann nur mit der Zeit begriffen werden (ohne Raum keine Zeit und umgekehrt). So wäre zu erwarten, dass der Inhalt unserer Box je nach Zeitpunkt, in der man hineinspickt, immer ein anderer ist. Ist es nicht so, dass der eigentliche Kern unseres Problems das Stellen von Fragen ist und weniger die Fragestellung bzw. eine etwaige Antwort?
    Vielleicht finden wir in der Box auch einen Mythos, der immer neu erzählt werden will. Würde ein solcher Mythos allerdings analysiert und hinterfragt, würde er nicht zerstört werden? Damit würden wir bei dem Öffnen der Box nichts als eine Leere vorfinden, denn das Nachschauen hat den Mythos zerlegt….

    • Sicher ist alles unsere Erfindung. Und trotzdem, man hat ja andauernd Entscheidungen zu treffen und fragt sich oft, wozu. Und eine grundlegende, die Entscheidung, weiter zu machen – wahrscheinlich trifft sie instinktiv der Wille des Leibes – hat irgendwann zu der philosophischen Fragestellung geführt: warum überhaupt leben? Oder später dann bei Heidegger: warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?
      Und was damit anfangen, wenn wir beim Öffnen der Box eine Leere vorfinden? Es ist ja wie bei Schrödingers Katze. Auf den Beobachter kommt es an. Und auf seine Interpretation. Da halte ich es dann mit Camus: Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen. Egal was in der Box ist.
      Natürlich hast du recht, es ist eigentlich müßig, nach Fragen zu suchen, geschweige denn nach Antworten. Aber wider besseres Wissen …
      Freue mich auf Gedankenanregungen!

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