Förderung von Medienkompetenz an der Volkshochschule

Warum Medienkompetenzbildungsprogramme als Bestandteile allgemeiner Weiterbildungsprojekte an die vhs gehören!

Medienkompetenz bedeutet selbstgesteuerten, kritischen Umgang mit Medien, bedeutet Selbsttätigkeit und Verantwortungsübernahme mit dem Ziel des mündigen Bürgers. Medienkompetenz setzt sich zusammen aus mehreren Elementen: 1. Medienanalyse, das heißt, einem Instrumentarium, mit dem Strukturen und Einsatzmöglichkeiten verschiedener Medien, ihrer Wirksamkeit und ihrer manipulativen Effekte untersucht werden können, außerdem die Einordnung verschiedener Medien nach Reichweite, politischer Wirksamkeit und ihrem Anteil an Wissen und Information. 2. Medienkritik als Teil der Kompetenz versucht, das analytisch erfasste Wissen sozial verantwortlich umzusetzen und eine Einschätzung zur Anwendung abzugeben. Wie diese Einschätzung ausfällt, ist an vorausgehende Grundlagentheorien gebunden. Wenn man in einem Volkshochschulprojekt von einem humanitären Bildungsbegriff mit politisch- emanzipatorischem Anspruch ausgeht, so ist die Medienkritik eine auf politische Partizipation und Demokratisierungsprozesse hin fokussierte. Schließlich gehört zur Medienkompetenz auch die 3. Mediengestaltung, die auf diesen Vorannahmen fußend hier als gesellschaftliche Mitgestaltung verstanden wird. Neben allem Kreativitätspotential geht es vornehmlich um die Mitgestaltung von Interaktionsräumen, um die Teilhabe oder Generierung von gesellschaftlichen Diskursen und damit um Demokratisierungsprozesse. Nach Bastiaens, Schrader und Deimann dienen z.B. Weblogs der „Herstellung einer kritischen Gegenöffentlichkeit“: „Diese Zielstellung lehnt sich an den Kompetenzbegriff der 1960er Jahre an. Hier wurde der Mensch als mündiger Rezipient von Medienangeboten gesehen, der zugleich auch ein kommunikativ-kompetentes Lebewesen und aktiver Mediennutzer sein sollte.“ (ebd., S.31)

Hans Magnus Enzensberger schreibt 1997 in Baukasten zu einer Theorie der Medien – kritische Diskurse zur Pressefreiheit. München: Fischer, zur Kennzeichnung einer emanzipatorischen Nutzung von Medien:

–       dezentralisierte Programme

–       jeder Empfänger ist auch ein potentieller Sender

–       Mobilisierung der Massen

–       Interaktion der Teilnehmer, Feedback

–       Politischer Lernprozess

–       Kollektive Produktion

–       Gesellschaftliche Kontrolle durch Selbstorganisation

Nach Bastiaens et al ermöglichen Weblogs diese Art der emanzipatorischen Partizipation. Über diese interaktive Mediennutzung wird jede/r zum Mitgestalter in Meinungsbildungsprozessen. Inwieweit mittlerweile auch die Politik auf Blogs reagiert und auf Microblog Kampagnen, z.B. durch Twitter oder andere soziale Netzwerke losgetreten, reagieren muss, zeigten verschiedene Auseinandersetzungen.

Medienkompetenz ist unter anderem auch Informationskompetenz und ist in der Wissensgesellschaft, in der die Verfügbarkeit und Nutzungsmöglichkeit von Wissen eine zentrale Rolle spielt, eine Schlüsselkompetenz. In Hinblick auf die Entwicklung von Lebenschancen und dem Anspruch, Bildung für alle zugänglich zu machen, ist es Auftrag der vhs, hier Kompetenzqualifikationen anzubieten. Dies steht für die vhs in besonderem Zusammenhang mit open access Projekten. Hier werden Informationen, auch wissenschaftliche, zur freien Verfügung bereitgestellt. Medienkompetenz übernimmt nach Bastiaens et al Kernaufgaben der politischen Bildung, wie

–       Grundqualifikation zur allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung und mündiger Informationserschließung

–       Differenzierter Umgang für eigenständige politische Orientierung

–       Vertiefende Auseinandersetzung zu medienabhängigen Faktoren von Politikerstellung (ebd., nach S.37)

„Medienkompetenz kann hier als spezifisch politische Handlungskompetenz, im Sinne einer Basisqualifikation demokratischer Bürgerkompetenz aufgefasst werden.“ (ebd., Hervorh. d. Verf.)

Praxisbeispiele für Blogs und websites zur Förderung von Medienkompetenz:

https://netzpolitik.org/
www.demokratie.de
http://www.lmz-bw.de/medienbildung

An der Volkshochschule geht es um zweierlei Einsatzmöglichkeiten der digitalen Ressourcen: zum einen in Form von Kursvorbereitungen der DozentInnen und zum anderen um ihre Einsatzmöglichkeiten im Unterricht.

„Ein Ansatz, um mehr Klarheit zu erreichen, besteht darin, digitale Medien als elementare Kulturtechnik zu begreifen. Der Umgang mit ihnen wird zu einer selbstverständlichen Technik zur Teilhabe an zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Kultur und zur Erschließung von Kultur.“ (Bastiaens et al, 2011, S.39)

Medienerziehung bezieht sich hier auf
–       Fähigkeit zur aktiven Kommunikation…
–       Kenntnis der technischen und organisatorischen Bedingungen…
–       Kompetente Rezeption…. (ebd.)

Maßgeblichste Veränderung durch das Lernen mit Neuen Medien: die Lernenden selbst rücken ins Zentrum der Lehre. Aktive, selbstorganisierte Wissensaneignung, -gestaltung und –weitervermittlung machen jede/n Lernende/n auch zur/m MultiplikatorIn.

Beispiel: Lehren und Lernen mit Weblogs

Weblogs treten immer mehr aus der Nische des persönlichen Netztagebuchs heraus als mediale Nutzungsfunktion, um Inhalte zu veröffentlichen, zu diskutieren und um Neue Lehr-und Lernformen zu etablieren. Blogs können als Informationsmedium zu bestimmten Themenbereichen herangezogen werden (im Sinne eines Content Management Systems) oder mit ihren vielfältigen Nutzungsfunktionen kann zur partizipativen Gestaltung der Lehrinhalte eingeladen werden. Eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht Aufbau und Verknüpfung von Inhalten. Für gemeinsames Lernen wird von Bastiaens et al (2011, nach S.54) empfohlen, einen Haupt- Blog mit individuellen Blogs für die einzelnen Studierenden einzurichten, über Trackbacks zu verbinden und die Mitlernenden zur aktiven Nutzung und auch zur Mitgestaltung anzuregen.

Speziell für Volkshochschuldozentinnen kann die Interaktionsmöglichkeit über Blogs dem Gefühl der Vereinzelung, der Entkollektivierung entgegenwirken.

Ein Kommentar zu „Förderung von Medienkompetenz an der Volkshochschule

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  1. Danke Dagmar

    Echt ein tolles Konzept.

    Wiest sehn das gelingt dir, freue mich für dich.

    Alles liebe deine Uschi

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