Universität im 21. Jahrhundert

Ist es überhaupt noch sinnvoll ein Buch zu schreiben über die erarbeiteten Forschungsergebnisse? Diese Frage stellt sich jungen angehenden Wissenschaftlern zunehmend, denn es ist ja alles da, man muss nur wissen wo und wie man es findet. Wissensaneignung ist zunehmend an Wissensmanagement, vor allem digitales Know How, gekoppelt. Yehuda Elkana und Hannes Klöpper beschreiben in ihrem Buch (ein Buch!) Die Universität im 21. Jahrhundert, Hamburg 2012:

Wissensarbeit im Zeitalter digitaler Vernetzung – Ein Beispiel

„Wenn ich eine Arbeit zu einem bestimmten Thema schreiben soll, dann sammle ich zunächst auf vielfältigen Wegen Informationen: Als Erstes befrage ich Google, um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wer sich mit dem Thema befasst. Eine öffentliche Frage nach Hinweisen bei sozialen Netzwerken wie facebook oder twitter liefert weitere Hinweise. Die Fußnoten relevanter Wikipedia-Artikel führen zu relevanten Fachpublikationen. Presseartikel und Blogeinträge verweisen auf weitere wichtige Ressourcen wie Forschungsberichte und vor allem die Namen bedeutender Personen in dem Bereich, die wichtige Anhaltspunkte für die weitere Recherche geben. Nützliche Links und Experteneinschätzungen lassen sich in Online-Foren oder Q&A-Netzwerken, wie etwa Researchgate oder Quora, finden. Auf Artikel aus wissenschaftlichen Zeitschriften greife ich direkt über Online-Datenbanken zu, und die Buchausschnitte auf Google Books ermöglichen es einem zumeist einzuschätzen, ob sich der Gang in die Bibliothek lohnt. Nachdem ich auf diesen Wegen eine Fülle an Informationen in Form relevanter Zitate und Eckdaten gefunden habe, reorganisiere ich die Informationen, sodass sich eine strukturierte Argumentation entwickelt. Danach kann ich dieses Dokument hochladen und mit Freunden und Kommilitonen teilen, die an ähnlichen Themen arbeiten. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie direkt die Straße runter oder in Singapur wohnen. Ich bitte sie, einen Blick auf das Dokument zu werfen und zu schauen, ob ich etwas Wichtiges übersehen habe. Anschließend werte ich ihre Anmerkungen aus. Online-Anwendungen wie Doodle oder Tungle erlauben es, schnell Termine für einige Skype-Telefonate zu finden, in denen man Detailfragen klärt. Sollte sich eine Frage zu einer bestimmten Software ergeben, wie beispielsweise Excel oder SPSS, dann kann ich einer Freundin per Teamviewer Zugriff auf meinen Computer gewähren und es mir von ihr live und direkt an meinem eigenen Datensatz erklären lassen. Sie kann dann meinen Bildschirminhalt sehen und meine Maus steuern – und das von jedem Punkt der Welt aus. Wenn ich einen soliden Entwurf habe, kann ich diesen in einem Blog veröffentlichen und Leute einladen, meine Arbeit zu kommentieren. Ihre Kommentare lese ich genauso wie meine E-Mails unterwegs auf meinem Handy. So erhalte ich nicht nur Feedback, sondern kann mir zugleich eine gewisse Reputation in dem Gebiet aufbauen. Wenn das finale Ergebnis veröffentlicht wird, helfen mir andere dabei, es im Rahmen ihrer sozialen Netzwerke online zu verbreiten. So wird womöglich jemand auf meine Arbeit aufmerksam, der zufällig an etwas ganz Ähnlichem arbeitet. Lose Gruppen, von denen sich viele nie gesehen haben, halten sich gegenseitig über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden. Nichts von alldem ist Science Fiction. Überdies sind alle genannten Web-Anwendungen kostenlos nutzbar. Wissensarbeit ist für mich ohne diese weltumspannende Informations- und Kollaborationsinfrastruktur ehrlich gesagt kaum mehr vorstellbar.“ S.403/404

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