John Rawls‘ Verteilungsgerechtigkeit

Der Wirtschaftsnobelpreis ging dieses Jahr an die Ökonomen Shapley und Roth für die Theorie und praktische Anleitung zu einem Zuteilungsverfahren, bei dem ein stabiles Gleichgewicht erreicht wird. Zum Beispiel bei der Verteilung von Studienplätzen oder Spenderorganen geht es darum, wie diese „Märkte“ ohne Geld funktionieren und, im Fall der Organspende, Leben retten können.

Allerdings handelt es sich hier um rein rechnerische, logische Allokationsverfahren, die einer moralisch- philosophischen Grundlage entbehren (das wäre ein anderes Thema, ob ohne moralische Basis effektivere Resultate im Sinne von Nutzenmaximierung erzielt werden können, wobei die Nutzenmaximierung zur quasimoralischen Grundlegung wird). Interessant im Zusammenhang mit John Rawls, dessen „Theorie der Gerechtigkeit“ auch unter den Ökonomen diskutiert wurde und wird, ist die Überlegung, inwieweit für jede Theorie der Verteilungsgerechtigkeit gilt, dass sie sich eben nicht auf „Gegenstände des Marktes“ beschränken darf, sondern, wenn sie einen Gerechtigkeitsanspruch erheben möchte, andere „Güter“ wie z.B. Freiheitsrechte oder Chancengleichheit im Zugang zu Bildung oder anderen Ressourcen wie Arbeitsplätzen an erster Stelle abhandeln muss, so wie Rawls das tut,  und erst dann, an zweiter Stelle über Sachgüterverteilung nachdenken kann.

Junge Ökonomiestudenten sind seit der Weltfinanzkrise nicht mehr zufrieden mit Theorien, die sich auf Güter und Zahlen beschränken. Vielleicht erlebt Rawls‘ „Theorie der Gerechtigkeit“ bald eine Rezeptionsrenaissance.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/interview-ockenfels-roth/seite-1

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/nobelpreis-wirtschaft-2012-preistraeger

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